Arbeitsschutz: Welcher Kopfschutz ist der richtige?


Nicht den Kopf riskieren

Kopfschutz und Gehörschutz spielen im Arbeitsschutz eine große Rolle. Das ist nicht nur ein Bestreben der Firmen zur Verhütung von Unfällen, sondern ist im deutschen Arbeitsschutzgesetz verankert. Oberste Priorität ist der Schutz der Beschäftigten vor Gesundheits- und Sicherheitsgefährdungen. Doch welcher Kopfschutz is der richtige?

Schutzhelme und Schutzmasken schirmen den Kopf vor einer Vielzahl schädlicher, von außen wirkender Einflüsse ab. In vielen Arbeitsbereichen kann sich schützende Kopfbedeckung als lebenswichtig erweisen – allem voran in Industrie und Handwerk.

Normen und Haltbarkeit – DIN EN 812 und 397

Für wirkungsvollen und zuverlässigen Kopfschutz ist es notwendig, dass jeder Helm nur im dafür vorgesehenen Einsatzgebiet Verwendung findet. Hier ist zwischen den DIN Normen EN 812 und EN 397 zu unterscheiden.

Die EN 812 bezieht sich lediglich auf Anstoßkappen im Industriebereich und legt dort die physikalischen Anforderungen fest. Im Gegensatz dazu existiert die Norm EN 397, um Standards für Schutzfunktion und Kennzeichnung, sowie Prüfverfahren für Arbeitsschutzhelme festzulegen.

Schutzkleidung ist ständiger Abnutzung ausgesetzt und sollte daher laufend gewartet und auf Mängel überprüft werden – so auch beim Kopfschutz. Helme dürfen keinesfalls nach starken Belastungen, beispielsweise in Form von Schlägen oder Fall auf harten Untergrund, weiterverwendet werden- auch nicht dann, wenn keine äußerlichen Beschädigungen erkennbar sind.

Mechanische Einwirkung kann die Molekülstruktur schädigen oder die Tragkonstruktion verformen. Zudem verringern Witterungseinflüsse und häufige Sonneneinstrahlung die Haltbarkeit. Jeder Helm weist ein eingeprägtes Ablaufdatum auf – nicht zu verwechseln mit dem Produktionsdatum – und sollte danach ausgetauscht werden. In der Regel liegt dieser Zeitraum zwischen vier und acht Jahren.

Material

Das Material der Helmschalen besteht in den meisten Fällen aus Thermo- oder Duroplasten. Erstere beinhalten Kunststoffverbindungen, wie Acrylnitril-Butadien-Styrol (Abk. ABS), Polyethylen oder Polyamid und werden im Spritzgussverfahren hergestellt.

Sie neigen bereits ab geringer Hitzeeinwirkung (ab 70 Grad Celsius bei Polyethylen, ab 150 Grad Celsius bei Polyamid) zur Verformung, sind dafür aber kältebeständig. Deshalb eignet sich diese Art Helm besonders für Montagearbeiten, sowie im Baugewerbe oder Handwerk.

Die aufwendiger hergestellten Helmschalen aus Duroplasten werden aus faserverstärktem Phenol-Formaldehyd-Harz (PF-SF) oder glasfaserverstärktem, ungesättigtem Polyesterharz (UP-GF) gefertigt. Beide bestehen aus einem Verbund verschiedener Harze, Härtern und Glasfasern.

Diese besonderen Helmschalen besitzen eine Formbeständigkeit bis zu einer Temperatur von 500 Grad Celsius und sind deshalb ideal für den Einsatz unter Extrembedingungen.

Kopfschutz: Schutzhelm oder Anstoßkappe?

Industrie-Anstoßkappen haben in erster Linie die Aufgabe, den Träger bei Stößen mit dem Kopf gegen feststehende Gegenstände vor Verletzungen zu bewahren. Sie bieten gegenüber eines Helms wesentlich höheren Tragekomfort, dennoch fehlt größtenteils die Schutzfunktion.

Mit einer Einlage aus Kunststoff kann geringe kinetische Energie aufgenommen und abgeleitet werden. Bei höherer Einschlagsenergie von Gegenständen oder hohen Temperaturen bietet nur der Schutzhelm ausreichend Sicherheit.

Gehörschutz

Lange Exposition gegenüber Lärm oder selbst kurzes Überschreiten von Spitzenpegeln können gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Umso wichtiger ist deshalb ein ausreichender Schutz des empfindlichen Gehörs.

Bei einem Aufenthalt in Bereichen mit hoher Lärmbelastung ist das Tragen von Gehörschutz ratsam. Bei der Überschreitung von Expositionsgrenzwerten ist dies sogar vorgeschrieben. Für Lärmvermeidung zu sorgen und über korrekte Verwendung des Gehörschutzes zu informieren, ist Aufgabe des Arbeitgebers.

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Arten von Gehörschutz – Kapselgehörschutz oder Gehörschutzstöpsel

Im Handel existiert eine Vielzahl an diversen Schutzausrüstungen gegen Lärm. Diese gliedern sich in zwei Kategorien: Kapselgehörschutz und Gehörschutzstöpsel.

Leicht und jederzeit an- und ablegen lässt sich der kopfhörerförmige Kapselgehörschutz. Besonders im Bauwesen findet dieser Typ Verwendung. Die beiden gepolsterten Kapseln umschließen die Ohren komplett und sind mit schalldämmendem Schaumstoff ausgekleidet. Sowohl mit Kopf- als auch mit Nackenbügel ermöglichen sie angenehmes Tragen und sind flexibel – zum Beispiel in Kombination mit einem Helm – einsetzbar.

Bei einigen Modellen lässt sich der Gehörschutz direkt daran befestigen. Zudem bietet die Kopfhörerform weitere Vorteile. Spezielle Varianten besitzen pegelabhängige Dämmung oder ein integriertes Radio, beziehungsweise eine Kommunikationseinrichtung.

Bei letzterem lässt sich ein Mikrofonbügel an der Kapsel anbringen. Viele dieser Modelle arbeiten mit einer automatischen Verstärkungsregelung (AGC), welche nur Geräusche bis zu einem bestimmten Pegel verarbeitet. Verwendet werden diese Modelle in der Regel auf Schießständen oder bei der Jagd.

Gehörschutzstöpsel, oft auch Ohrenstöpsel genannt, existieren in zwei Varianten. Vor Gebrauch formbare Stöpsel aus Silikon oder wachsgetränkter Wolle sind kostengünstig. In erster Linie sind jene für den unregelmäßigen Gebrauch bestimmt.

Eine Reinigung ist nicht möglich, deshalb ist von einer längeren Nutzung dringend abzuraten. Otoplastiken hingegen werden vom Hörgeräteakustiker angefertigt und sind an den individuellen Gehörgang angepasst. Dieser Schutz besteht aus Acryl oder Silikon und ist deshalb angenehmer zu tragen, leicht zu reinigen und weist eine lange Lebensdauer auf.

Folgen durch Lärmbelastung und Grenzwerte

Fahrzeuge und große Maschinen erleichtern die Arbeit und erhöhen die Produktivität. Natürlich geben diese im Regelfall Lärm ab. Es entsteht ein Gesundheitsrisiko, das weder heil- noch therapierbar ist und sich irreversibel auf das Hörvermögen auswirkt.

Längere Exposition gegenüber Lärm kann zu Hörverlust und lärmbedingten Stress führen. Die Folgen davon können weitreichend sein und mit psychischen Auswirkungen wie Anspannung, erhöhter Reizbarkeit oder verminderter Sprachverständigung bis in soziale Bereiche vordringen. Körperlich können Störwirkungen von Lärm Leistungsminderungen verursachen, Denkprozesse verlangsamen oder den Blutdruck steigern.

Aus diesen Gründen existieren gesetzliche Verordnungen, welche die Grenzwerte für Schallpegel und Expositionsdauer genau festlegen und deren Einhaltung sicherstellen.

Die deutsche Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) ist die nationale Umsetzung der EG-Richtlinie 2003/10/EG und soll den Schutz der Beschäftigten hinsichtlich Lärm und Vibration sicherstellen. Des Weiteren wird in der Verordnung die Pflicht zur Lärmminderung betont. Sie gilt für alle Beschäftigungsbereiche, mit Ausnahme von Schifffahrt und Bergbau – hier gelten andere Richtlinien.

Die Verordnung legt einen Tages-Lärm-Expositionspegel von 85 dBA fest und setzt den Spitzenschalldruckpegel auf 137 dBC. Bereiche, welche diese Grenzen überschreiten, müssen gesondert als Lärmbereich gekennzeichnet und nur mit geeigneter Schutzausrüstung zugänglich sein.

Safety First – Ein kluger Kopf schützt sich

Bei der Vielzahl an Gefahren, die durch äußere Einflüsse während der Arbeit und natürlich auch in der Freizeit auf den Menschen einwirken, ist es ratsam, sich ausreichend davor zu schützen. Bereits kleine Unachtsamkeiten können zu schwerwiegenden Unfällen führen, weshalb Vorsicht in jedem Fall die vernünftigere Option darstellt. Heute an morgen denken und auf die eigene Gesundheit achten, denn diese hat bei jedem Handeln immer die höchste Priorität.

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